{block name=title}Geschichte des Gaslichtes in Lobberich{/block} {block name=meta}{/block} {block name=description}Eine Seite aus dem Webangebot des Lobberland e.V. {/block} {block name=keywords}{/block} {block name=banner}{/block} {block name=body}

Gaslicht in Lobbericher Straßen


Übersicht

Gas als lichtgebende Energie

Die Nutzung von erzeugtem oder in der Natur vorkommenden Gases als Energie für Licht und Wärme war und ist ein wesentlicher Schritt im menschlichen Bestreben, Unabhängigkeit von den natürlichen Bedingungen zu erlangen und sich den gesamten Planeten zum Lebensraum zu machen.

Entdeckt wurde das Leuchtgas von  Jan Pieter Minckeleers (1748-1824) aus Maastricht, der bereits 1798 seinen Hörsaal an der Universität Leeuven mit Gas erleuchtete.

Gerade Gemeinden mit Textilindustrie haben schon frühzeitig Gasbeleuchtung bekommen. Textilfirmen waren wegen der Staubentwicklung auf sichere Lampen angewiesen. (Staubexplosionen) Sie produzierten ihr Leuchtgas selber und das Leuchtgas selber (in Lobberich: am Nettebruch) und ließen oft die Orte daran teilhaben.


Denkmal Jan Pieter Minckeleers'
(Marktplatz Maastricht)

Gasversorgung in Lobberich

Die seinerzeit boomende Fa. Niedieck errichtete 1887 in der Nähe seiner Produktionshallen an der Breyellerstraße ein Gaswerk - Dieses versorgte auch Lobbericher Straßen.

"Im Jahre 1887 ging der Lobbericher Bevölkerung das "Gaslicht" auf. Mit Hilfe eines Darlehns der Sparkasse Lobberich wurden Gasleitungen in Lobberich verlegt, die eine Straßenbeleuchtung ermöglichte und vielen Haushalten nützlich waren. Ein neuer "Gasometer" für die Gasfabrik der Firma Niedieck hatte die Gemeindeväter dazu veranlaßt, in der Gemeinderatssitzung vom 18.3.1887 den Tagesordnungspunkt "Gasanlage" zu genehmigen. Bereits im September 1887 erstrahlten Lobberichs Straßen im Glanz der Gaslaternen."

(Vollständiger Bericht in der Geschichte der Sparkasse: )

Zu den Errungenschaften der 80er Jahre gehörten die Verlegung von Gasleitungen im Ort, deren Nutzung für Haushalte sowie - zur Verschönerung der Gemeinde- die Gasbeleuchtung in den Straßen. (...) Die Gemeinde (nimmt) hierzu bei der Sparkasse ein Darlehen von 50.000 Mk auf. Technische Voraussetzung ist die von der Firma Niedieck seit Mitte der 80er Jahre betriebene Gasfabrik, die außer Gas auch Koks liefert. (Nun ist) die Firma Niedieck einen neuen Gasometer zu installieren gezwungen ist und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit an die Gemeinde den Antrag richtet, »dem Ort für einen sehr mäßigen Preis auf längere Zeit unter Garantie gutes Kohlengas zu liefern«. Dies findet die nachdrückliche Unterstützung des Wochenblattes, das an die Ratsmitglieder appelliert, das Wohl des Ortes im Auge zu behalten; »denn scheitert der Antrag wieder, so ist wohl alle Aussicht auf Gasbeleuchtung für lange Zeit verloren.« In der Gemeinderatssitzung vom 18. März 1887 wird, so berichtet Rhein u. Maas am folgenden Tage lapidar, der »Punkt >Gasanlage< angenommen und verpflichtet sich die Firma Niedieck & Co, die Anlage bis zum 1. October (...) fertig zu stellen.« Handel und Handwerk im Ort reagieren prompt. In der Osterausgabe vom 9. April 1887 empfiehlt sich der auf dem Markt ansässige Kupferschmied Josef Dickmann für die Installation von Gas-, Dampf-, Kalt- und Warmwasserleitungen und verweist auf eine reichhaltige Auswahl an Gaslampen. Sein Kollege Johann Pickers, Hochstraße, sieht sich bei den anstehenden Gasanlagen in einem Wettbewerbsvorteil »mit Rücksicht auf die reichen Erfahrungen, welche ich bei derartigen persönlich geleiteten Einrichtungen in größeren Städten gewonnen habe.«

Die Anlegung des Gasnetzes wird der Kölner Firma F. Wiegand übertragen und kommt zügig voran, ohne daß der Straßenverkehr gravierend gestört wird. Mitte Juni ist bereits eine große Strecke verlegt. »Erfreulich ist es, daß durch die Erdarbeiten den Arbeitern so schöne Gelegenheit geboten ist, auf längere Zeit einen guten Tagelohn verdienen zu können, der Manchem für den kommenden Winter noch gut sein wird. Es wäre deshalb zu wünschen, daß die Arbeit nicht durch Heranziehen fremder Arbeitskräfte zu sehr beschleunigt würde." Die Arbeiten schreiten allerdings rasch voran, so daß wir bereits am 10. September 1887 lesen, daß »die schon in Anwendung gekommene Beleuchtung der Straßen den allgemeinsten Beifall« finde. Anerkennung wird der »wohllöblichen« Gemeindevertretung nunmehr ausgesprochen für die gemeinnützige Einrichtung, die den örtlichen Verhältnissen in hohem Maße gerecht werde. Lob erhalten auch das durchführende Unternehmen und der technische Leiter. Besonders wird die Beleuchtung des Marktplatzes hervorgehoben. Angesichts der anstehenden Straßenpflasterungen herrscht die Erwartung, daß >>Unser Lobberich bald zu den freundlichsten Städtchen gehören« werde.

Lobberich mit Gasbeleuchtung ist sch öner und sicherer geworden. Dennoch versucht am Nikolausabend 1887 ein freches Frauenzimmer, »mitten auf der gasbeleuchteten, belebten Hochstraße« einem Mädchen seinen Korb mit eingekauften Nikolausgaben zu entreißen. Der Versuch wird vereitelt, das Frauenzimmer entkommt, Schreck und Empörung bleiben.

(aus Optendrenk: Lobberich im Aufbruch, Nettetal 1993, S. 26/27)

Erzeugt und gespeichert wurde das Gas in "Gasometern" der seinerzeit boomenden Fa Niedieck (am Nettebruch, 1887 - dort waren auch Produktionshallen) ...


Gaswerk der Fa. Niedieck, Sammlung Lobberland


Gaswerk der Fa. Niedieck, Detailaufnahme einer alten Ansichtskarte - Sammlung Lobberland

Später (1923) übernehm die Gemeinde Lobberich die Gasproduktion.
(Wevelinghoverstraße Nähe Rosental, erbaut 1923, das Verwaltungsgebäude ist heute Sitz der Fa. Wenk und Camps)


Gemeindegaswerk nach Fertigstellung 1923 - Foto: Sammlung Photobrock


Gaswerk (im Hintergrund) Foto von  1956 - Sammlung Heymanns

Auffällig ist die hohe Zahl der angeschlossenen privaten gasbetriebenen Geräte. => mehr


"Lateäre-Pitt"

Der "Lateäre-Pitt" schaltete die Gaslaternen ein und aus. Dazu hatte er eine Stange mit einen Haken daran.
Zum Schalten zog er damit an einer Öse an der Laterne. => mehr

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