Logo

Sechsundzwanzigstes Kapitel.

Aus Lobberich gebürtige Geistliche.

Bereits früher, unter den hiesigen Orts- und Privatgeistlichen, sowie in der Genealogie der beiden hiesigen Linien von Bocholtz treffen wir verschiedene Söhne Lobberich's als Priester an. Von den Pfarrern war 1, von den Vikaren 13, von den hiesigen Privatgeistlichen 5 hier gebürtig. Die Geistlichen von Bocholtz, die in der Genealogie von Bocholtz ausführlich aufgeführt sind, sollen hier, mit Ausnahme eines, weggelassen werden. Der übrigen hier gebürtigen Geistlichen soll an dieser Stelle ausführlich gedacht werden.

1. Aegidius von Bocholtz, vom Hause Ingenhoven, ältester Sohn derselbst, war später Propst und Pastor zu Dülken und wurde am 14. Januar 1505 zum (28.) Abte der ehemaligen Benediktiner-Abtei zu M-Gladbach erwählt. Er erwarb sich um das religiöse Leben in Gladbach und Kempen große Verdienste und starb, 70 Jahre alt, am 30. April 1538.

2. P. Hermanus de Ludburg (von Lobberich) war in den Jahren 1492 bis 1510 Benediktiner-Mönch in der ehemaligen Abtei M-Gladbach. (Fahne, Bocholtz, 3. Bd. Seite 47.)

3. Martinus Wulff von Loeberyck (aus Lobberich) war i. J. 1515 stellvertretender Vikar des Altares des hl. Nikolaus in der Pfarrkiche zu Hinsbeck. (Vor Gründung des Roermonder Dekanates Krickenbeck.)

4.Henrikus von Loebruick (von Lobberich) war i.J. 1515 Vikar des Altares des hl. Kreuzes in der Pfarrkirche zu Hinsbeck. Als "Henrikus de Lubbroick" war er am 15. Mai 1493 in die Matrikel der Universität zu Köln eingetragen. (Nettesheim, Gesch. der Schulen des Herzogtums Geldern; Vorstehendes auch nach Norrenberg, Gesch. Grefrath's 1875, Seite 124 und 128.

5. Johann Außhen, genannt von Lobberich, 1539 Vikar an der Kirche St. Laurenz zu Köln. Er war Stifter mehrerer hl. Messen in Lobberich; (und

Seite 179

wohl ein Verwandter des Pfarrers Joh. van Oussen, 1483, der wahrscheinlich auch aus Lobberich war.

6. Paulus tho Brock, Vikar zu Lobberich 1544, 1553 und 1560. (Wahrscheinlich vom Brockerhof, Sassenfeld.)

7. Heinrich Broustens, gebürtig aus Lobberich, starb i.J. 1554 als Rektor der St. Nikolauskapelle zu Kleinenbroich. (Nach dem kölnischen Kriege wurde St. Dionysius Areog. Patron der Kapelle und jetzigen Pfarrkirche zu Kleinenbroich.)

8.Simon Hermann auf dem Strauch, geboren zu Sassenfeld bei Lobberich, wurde im Juni 1498 als ""Symon Hermany Stroeß" in die Matrikel der ehemaligen Universität zu Köln eingetragen, wurde später Kanonikus an der Kirche St. Gereon zu Köln und starb daselbst den 11. Juli 1577 in sehr hohem Alter. Er errichtete eine Studienstiftung und stiftete eine Anzahl von Wochenmessen in Lobberich. (Ueber die Studienstiftung siehe Kapitel "Studienstiftungen".)

9. Johannes Kirchhoff, (wohl ein Bruder des Folgenden,) geboren zu Lobberich, war Cellearius im Kloster zu Knechtsteden und starb daselbst den 7. September 1584.

10. Georg Kirchhof, Kanonikus an der Kirche St. Quirin zu Neuß, gestorben zwischen 1582-1584. Auch er errichtete eine Studienstiftung. (Siehe Studienstifungen)

11. Johannes Lobbroichius, wurde am 16. Januar 1565 in die Matrikel der Universität zu Köln aufgenommen; i.J. 1569 war Jan von Lobberich Kaplan in Süchteln.

12. Godefridus Drak aus Lobberich, (36) Abt der (ehemaligen) Cisterzienser-Abtei zu Camp1) von 1585 bis 1612. An Stelle des 1584 zu Neuß verstorbenen Abtes Johann Langeray aus Wachtendonk, wurde zu Köln 1585 Gottfried Draek aus Lobberich von der allda versammelten Mehrzahl zum Abt erwählt. (Des Krieges wegen hatten die Mönche Kloster Camp verlassen und sich in ihre 3 Zufluchtshäuser zu Köln, Neuß und Rheinberg zurückgezogen. Der Abt hatte gewöhnlich seinen Aufenthalt in jenem zu Köln.) Die zu Rheinberg anwesenden Mönche, die zur Wahl nicht erschienen waren, wollten ihn jedoch anfangs nicht anerkennen. Dieser Abt hatte das Unglück, auf dem Wege von Köln nach Düsseldorf von den feindlichen Truppen aufgehoben zu werden, welche ihn gefangen nach Rheinberg brachten und 5000 Reichsthaler Lösegeld

Anm.1) Kloster Camp hatte bis zur Aufhebung der ABtei, 1802, gerade 50

Aebte; Kloster Camp war 1122 gegründet, der Orden wurde auch

"Bernhardiner" genannt.

forderten- Er blieb vier Monate als Gefangener und erhielt erst seine Freiheit wieder, nachdem 4400 holländische Gulden und noch 400 Gulden für die Unkosten bezahlt waren. Der gemeinschaftliche Wunsch Aller war, ihr heimatliches Camp bald wieder zu bewohnen. Im Jahre 1607 ließen sie deswegen einen Teil der verwüsteten Gebäude wieder in Stand setzen, welche jedoch im folgenden Jahre von den Soldaten wieder in Brand gesteckt wurden.1)

13. Cornelius Wants, Vikar zu Lobberich 1644.

14. Tilmanus Kocks (Kox) aus Lobberich um Geldernschen, wurde am 2. November 1618 in die Matrikel der (ehem.) Universität zu Köln eingeschreiben. Am 18. November 1618 war er Vikar zu Lobberich und wurde an diesem Tage zugleich als Schullehrer der Dorfschule zu Lobberich angestellt, "damit er als Priester anständig leben könne." Im Jahre 1659 war er Kanonikus zu Köln und i. J. 1674 Kaplan in Süchteln.

15. Mathias Maubis aus Lobberich wurde am 30. Oktober 1623 in die Matrikel der Universität zu Köln eingeschrieben; i.J. 1626 war er Mönch im Kloster Camp.

16.Mathias Pricken , geboren zu Lobberich, trat in den Prämonstratenser-Orden zu Knechtsteden und hieß sodann "Pater Norbertus". Am 8. Oktober 1633, in schwerer Zeit, wurde er Pfarrer in seinem Heimatsorte Lobberich, welche Stelle er bis zum Jahre 1669 unter großen Gefahren bekleidete. Im letztgenannten Jahre wurde er Pfarrer zu Grefrath, wo er aber bereits am hl. Pfingstfeste, den 17.Mai 1671 starf.

17.Heinrich Kupperus (Küppers) geboren zu Lobberich, "Cellearius" im Kloster zu Knechtsteden starb daselbst i.J. 1681 und wurde im Kloster begraben.

18. Johannes Schiffeler, geboren zu Lobberich, wurde i.J. 1671 in die Matrikel der früheren Kölner Universität eingetragen, wurde Subprior im Kloster Knechtsteden, dann Pfarrer in Hünshoven, später Pfarrer in Frimmersdorf, starb im Kloster zu Knechtsteden am 1. Juli 1691.

19. Mathäus Godefridi, geboren zu Lobberich i.J. 1668, legte am 4. Juni 1691 im Kloster Knechtsteden seine Profeß ab und wurde am 8. Oktober 1693 zum Priester geweiht. Er starb als Pfarrer in Klarholz am 13. Juni 1700 und wurde auch dort begraben.

20. Johann Pricken aus Lobberich, wohl Neffe des Vorgenannten, Vikar zu Lobberich von 1674 bis

Anm. 1) Friedr. Michels, Pfr., Geschichte der ehemaligen Abtei Camp

Krefeld, 1832.

Seite 180

zu seinem Tode, den 11. Februar 1721. (Das Grabkreuz dieser Familie vom Jahre 1636 resp. 1638 ist auf dem alten Friedhofe noch vorhanden.)

21. Hermann Wolters, Vikar zu Lobberich 1725 und als solcher gestorben zu Lobberich am 29. März 1731.

22.Leonhard Friedrich Heydhuysen , gebürtig aus Lobberich, wurde i.J. 1735 in Köln zum Priester geweiht und bereits im selben Jahre 1735 zum Vikar an Beate Maria Virgine in Köln angestellt.(Er war der Neffe von Gerrit Heythausen, oder Bengmanns alias Benghmans, der 1735 auf Bengmannshof zu Lobberich wohnte.1)

23. Reiner Rütten, Privatgeistlicher in seiner Heimat Lobberich, daselbst gestorben den 19. Septe. 1754.

24. Gerhard Mathias Paulus, Privatgeistlicher zu Lobberich, 1757 (wohl von Pauelshof, Bocholtz.)

25. Gerhard Cremers, Vikar in seinem Geburtsorte Lobberich; ihm wurde 1759 die Schullehrerstelle mit übertragen. Er starb zu Lobberich am 23. April 1760.

26. Leonhard Gisberti, Vikar zu Lobberich 1732, gestorben zu Lobberich als Vikar den 23. Juni 1766.

27. Gerhard Stroux aus Lobberich, Vikar zu Lobberich, 1759, 1778 und 1782.

28. Gerhard Stemes, geboren auf Stemeshof im Sassenfeld bei Lobberich, erster Vikar des 1735 neu gestifteten Benefiziums "Franz Seraph." seit 1735; gestorben als Vikar zu Lobberich, im Alter von 68 Jahren, um Pfingsten 1782.

29. Paulus Wildenrath, geboren zu Lobberich, wurde i. J. 1765 Vikar des Benefiziums vom hl. Sakramente und i.J. 1766 Vikar des Benefiziums U.L. Frau und des hl. Antonius in der Pfarrkirche zu Lobberich, welche beiden Stellen daselbst er bis zum Jahre 1778 bediente.

30.Qirinus Stieger, gebürtig aus Lobberich, trat zu Knechtsteden in das Kloster, wurde 1754 nach Frimmersdorf geschickt, wurde später daselbst Kaplan, 1759 Lektor in Knechtsteden, im August 1761 Subprior und Novizenmeister und am 15. Juni 1762 Kaplan und Vikar zu Grefrath, welche Stelle er bis 1767 bekleidete. Im Jahre 1767 wurde er Prior in Knechtsteden und i.J. 1770 Prior in Dortmund.

31. Tilmann Joseph Schmitter aus Lobberich, Pfarrer zu Camps. Derselbe trat in jungen Jahren in die Abtei Camp ein; nach Aufhebung der Abtei wurde er erster Pfarrer der neu errichteten Pfarre

Anm. Urkunde im Besitz des Herrn Gerhard Heythausen auf Bengmannshof.

Camp und starb daselbst im 29. Jahre nach Ablegung seiner Profeß in der Abtei Camp, im 25. Jahre seines Priestertums, im 6. seines Amtes als Pfarrer daselbst, in Folge eines Schlagflusses, versehen mit den hl. Sakramenten, im Alter von 48 Jahren, am 19. April 1809, Abends 8 Uhr. Am 22. April 1809 wurde er zur letzten Ruhe bestattet und ist sein Grabstein noch dort vorhanden.1)

32. Tilmann Gerhard Schmitter aus Lobberich, Verwandter des Vorgenannten. Am 23. Juni 1778 erhielt er das Benefizium U.L. Frau und des hl. Antonius in der Pfarrkirche zu Lobberich. Im ganzen war er nahezu 50 Jahre Vikar in seinem Heimatsorte und über 50 Jahre Priester. Jubilar-Vikar Schmitter starb zu Lobberich im Alter von 78 Jahren, am 14. Februar 1828 und fand seine letzte Ruhestätte auf dem alten Friedhofe, im Schatten der Pfarrkirche, vor dem sog. Missionskreuze; sein Grabkreuz mit der Bezeichnung "Vikarius-Jubilarius" ist auf dem alten Friedhofe noch vorhanden.

33. Heinrich Wienen, geboren auf Rogenhof, Sittard zu Lobberich, am 5. Oktober 1752, zum Priester geweiht i. J. 1777, blieb zeitlebens Privatgeistlicher in seinem Heimatsorte. Zur Bequemlichkeit und zur Erbauung der arbeitenden Klasse übernahme er es, jeden

Anm:Verwandte dieser beiden geistlichen Herren Schmitter waren u.a. Tilmann Schmitter, gestorben zu Lobberich 1704; Tilmann Schmitter,heir. zu Lboberich 24. September 1705, Anna Kesses, war "Bürgermeister" daselbst 1725 und 1726, sodann noch Scheffen daselbst 1734; Wilhelm Schmitter gest. Lobberich 1725; Helene Schmitter, gestorbendaselbst 1728; Katharina Schmitter gestorben daselbst 1739; Paulus Schmitter und Petronella Wevelinkhoven, Eheleute zu Lobberich, 1755; Helene Gertrud Schmitter, Subpriorin und Chorschwester vom III. Orden im 1784 aufgehobenen Kloster "Godswert" zu Roermond, geboren zu Lobberich, den 30. Dezember 1731 legte Profeß ab am 13. September 1759; deren Schwester Anna Katharina Schmitter, ebenfalls Chorschwester im genannten Kloster, geboren zu Lobberich, den 23. Juli 1733, legte Profeß ab am 12. Okt. 1755; Gottfried Schmitter, geboren zu Lobberich, wohnhaft zu Leutherheide, Gemeinde Leuth, "Maire" zu Leuth von 1801 bis 1803, gestoben daselbst, 75 Jahre alt, 1820; dessen Sohn: Paus Gosw. Joh. Schmitter, geboren zu Leutherheide 1780, war "Maire" zu Leuth von 1803 bis 1814 und sodann "Bürgermeister" der Bürgermeisterei Leuth von 1814 - 1822, gestorben zu Leutherheide 1829. (Er war der letzte in der Gemeinde wohnende Bürgermeister.) Paul Joachim Schmitter, geboren und gestorben zu Lobberich, war Notar zu Breyell 1807 und 1812, Notar zu Lobberich 1830, 1831, 1836 und noch 1837. Ebenfalls ein Verwandter war: Tilmann Schmitter, langjähriger 1. Beigeordneter zu Lobberich, Ritter des roten Adlersordens IV. Kl. geboren zu Lobberich, den 21. Dezember 1805, gestorben daselbst den 30. November 1883; dessen einziger Sohn Wilhelm hat Lobberich verlassen.

Seite 181

Morgen bei anbrechendem Tage unentgeltlich die hl. Messe zu lesen. Wie seinem Mitbruder Schmitter, so war es auch ihm vergönnt i.J. 1827 sein goldenes Priesterjubiläum feiern zu können. Auch bekleidete er lange Zeit die Posten als Kirchmeister und Kirchen-Rendant. Im Leben von Leiden vielfach heimgesucht, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, entschlief er in seinem Heimatsorte als Jubilarpriester am 27. Oktober 1831 und fand ebenfalls vor dem Missionskreuze seine letzte Ruhestätte.

34. Heinrich Stemes (Heinrich Brocker genannt Stemes), Großneffe des früher genannten Vikars G. Stemes, geboren auf Stemeshof zu Sassenfeld bei Lobberich den 15. Oktober 1766, erhielt am 19. Mai 1794 das Benefizium St. Franziskus Seraphikus zu Lobberich, war vor 1795 zeitweilig stellvertretender Rektor zu Leutherheide, Pfarre Leuth, 1802 Kaplanei-Deservitor zu Leuth, 1801-02 auch Pfarrverwalter zu Leuth. Seit etwa dem Jahre 1800 war er auch Inhaber des Benefiziums St. Franz. Seraph. zu Leuth,und zwar dort der letzte Vikar desselben, das er bis zu seinem Tode inne hatte. Er starb zu Hinsbeck, 63 Jahre alt, am 9. Ddzember 1829.

35. Egidius to Bruck, geboren auf Brockerhof zu Sassenfeld bei Lobberich. Derselbe war i.J. 1797 und noch einige Jahre später Privatgeistlicher zu Lobberich. (Seinen Namen schrieb er selbst wie oben: von anderen wurde er auch te Broeck und Thobrock geschrieben.) Er soll später als Vikar zu Recklinghausen i.Westf. in rüstigem Mannesalter gestorben sein.1)

Anm. Die beiden geistl. Herren: Stemes genannt Brocker, gest. 1829, und to Bruck waren Vettern, da ihre beiderseitigen Väter auf Brockerhof gebürtig und Brüder waren. Beide geistl. Herren eigentlicher Familienname wäre somit "te Bruck" oder noch richtiger "Heythausen" gewesen. Beider Herrn Urgroßvater, Jelis (Egidius) Heythausen, gest. 1713, war vom Bengmannshofe gebürtig, dieser nahm nach seiner Heirat mit Gertrud te Bruck genannt Brucker auf Brockerhof den Namen te Bruck an, der er fortan führte. Seine sämtlichen Kinder nennen sich weiter "te Bruck" und "Brucker". Der Enkel des vorgenannten Jeles, der auf Brockerhof gebürtige Johann Thobrock, genannt Brocker, nennt sich bei seiner Heirat mit Maria Stiegmanns genannt Stemes auf Stemeshof im Jahre 1785 naoch Thobrock, jedoch bald nachher "Brocker". Während seine anderen Kinder den Namen "Brocker fortführten, nennt sich sein geistl. Sohn, der 1829 gest. Vikar wieder nach dem Namen der Mutter und des Heimatshofes:"Stemes", und nur sehr selten "Brocker". Auf dem in der Nähe des Stemeshofes gelegenen "Brockerhofe, auf dem schon 1544 und 1593 der Name "te Brock" vorkommt, blieb der Familienname "Thobrock" bis zur Heirat der Mutter des jetzigen Besitzers, noch eine geborene Thobrock, die einen Herrn Hartges heiratete, wodurch seitdem der Familienname "Hartges" ist.

37.Gerhard Mathias Kessels, geboren zu Lobberich am 25. März 1757, trat i.J. 1776 in den Prämonstratenser-Orden, legte i.J. 1778 in der Abtei Knechtsteden die feierlichen Gelübde ab und wurde 1782 zum Priester geweiht. Im Jahre 1792 wurde er Superior und Lehrer der jungen Religiosen in der Abtei Wedinghausen zu Arensberg. Im Jahre 1796 wurde er zum Kaplan und Vikar in Grefrath ernannt. Obschon 1802 die Abtei Knechtsteden aufgehoben und somit deren Patronatsrecht erloschen war, wurde er, nachdem die Gemeinde ihn einstimmig zum Pfarrer sich ausgebeten hatte, i.J. 1803 von der geistlichen Behörde zum Pfarrer in Grefrath ernannt. - Seiner Fürsorge verdankt es die Pfarre Grefrath, daß die schöne Pfarrwohnung, welche Eigentum des Klosters Knechtsteden war, ihr erhalten blieb. Infolge eines heftigen Schwindels und einer starken Brustentzündung entschlief er, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, zu Grefrath, den 7. Juli 1824; er ruhet auf dem alten Friedhofe zu Grefrath, im Schatten seiner Pfarrkirche; sein Grabstein ziert noch seine letzte Ruhestätte.

37. Johann Helwig Kessels, Bruder des Vorgenannten, geboren zu Lobberich den 22. November 1759, trat ebenfalls in die abtei Knechtsteden ein; schon bald nach seiner Priesterweihe ist er als Pater in Knechtsteden gestorben. Er wurde Helwig genannt und war i.J. 1771 zu Lobberich gefirmt.

38. P. Heinrich Heythausen, im Orden "Pater Apollinaris" genannt, Priester des Franziskanerordens, geboren zu Lobberich den 8. Januar 1819, studierte auf den Gymnasien zu Kempen und Köln und nachdem er sich 6 Jahre dem Kaufmannsstande gewidmet hatte, wandte er sich dem Studium der Theologie zu, wurde in Münster am 19. August 1848 zum Priester geweiht und als Kaplan nach Geldern bestimmt, woselbst er bis 1854 segensreich wirkte. Im Oktober 1854 trat er in das Noviziat des Franziskanerordens zu Warendorf, legte am 27. Oktober 1855 die feierlichen Gelübde ab und war bis zu seinem Lebensende in verschiedenen Klöstern thätig, bis er nach 1 1/2jährigen Leiden, wiederholt versehen mit den hl. Sterbesakramenten, im Kloster zu Werl, am 26. Januar 1864 im Herrn entschlief.

39. Johann Friedr. Pelzers, geboren zu Lobberich (Bocholtz), den 10. August 1792, wurde in Köln am 9. September 1821 zum Priester geweiht, war 4 Jahre Kaplan in Sonsbeck und wurde am 28. Oktober 1828 als Vikar nach seinem Heimatsorte Lobberich berufen, welche Stelle er bis zu seinem Tode bediente. Er starb in Folge von Altersschwäche, mehr-

Seite 182

mals mit den hl. Sterbesakramenten versehen, im 49. Jahre seines Priesterstandes und 78. Jahre seines Lebens, am 23. März 1870, Morgens 9 Uhr und ruhet auf dem neuen Friedhofe zu Lobberich, vor dem Kreuze, wo ein schöner Grabstein seine Ruhestätte deckt.

40. Johann Heinrich Berten, geboren zu Lobberich (Dyck), den 4. September 1801, zum Priester geweiht zu Münster am 28. Mai 1825, war sodann 2 Jahre Privatgeistlicher in Lobberich und wurde im März 1827 Kaplan in Dinslaken, sodann im Februar 1831 Pfarrverwalter in Duisburg; diese Stelle bekleidete er bis zum 4. März 1834, wo er zum Pfarrer von Sevelen ernannt wurde. Hier erbaute er in den Jahren 1840 -1842 eine neue Pfarrkirche und legte einen schönen, neuen Friedhof an. Die vor einigen Jahren ausgeführte Ausmalung der Pfarrkirche, stiftete er noch auf dem Todesbette. Im Jahre 1863 wurde er zum Ritter des Roten Adlerordens IV. Klasse ernannt. Nachdem er über 40 Jahre seiner Pfarre vorgestanden und in kurzer Zeit sein goldenes Priesterjubiläum feiern konnte, brach in seiner Pfarre die Ruhrkrankheit aus, die auch er bei einer Kranken-Provisur sich zuzog. Nach 14tätgigem Leiden erlag er dieser Krankheit, versehen mit den hl. Sakramenten, am 7. Oktober 1874, Abends 9 Uhr. Sein Oelportrait ist im Pfarrhause zu Sevelen noch vorhanden.

41. Peter Johann Wilhelm Kessels,1) geb. zu Lobberich den 13. November 181, zum Priester geweiht den 25. Mai 1839 zu Münster, war sodann über 15 Jahre Kaplan in Kempen und wurde am 10. Oktober 1855 zum Pfarrer in Bracht und am 8. Januar 1861 zum Pfarrer in Dülken ernannt. Am 27. August 1868 erfolgte seine Ernennung als Pfarrer von Grefrath, als 3. Nachfolger seines Großoheims, des 1824 verst. Pfr. Kessels. Seit vielen Jahren an Asthma leidend und wiederholt mit den hl. Sakramenten versehen, entschlief er zu Grefrath am 5. Januar 1879, Abends 4 Uhr und erhielt seine letzte Ruhestätte vor dem Kreuze auf dem neuen Friedhofe, wo ein schöner Grabstein seine Gruft deckt.

42. Leonhard Königs, geboren zu Lobberich, den 19. Juli 1813, zum Priester geweiht zu Münster den 23. September 1837, war sodann seit dem 2. Dezember 1837 Kaplan zu Hinsbeck und seit dem 29. Nov. 1854 Pfarrverwalter von Eppinghofen. Am 2. Juni 1856 wurde er zum Pfarrer von Twisteden bei Kevelaer ernannt, welche Stelle er krankheitshalber am 1. April 1886 niederlegte und sich in das St. Marienhospital zu Kevelaer zurückzog. Gestärkt mit den hl.

Anm. 1) Sohn des Bürgermeisters Kessels.

Sterbesakramenten entschlief er daselbst am 29. April 1887 und erhielt seine letzte Ruhestätte neben seinem ihm im Tode bereits vorangegangenen Nachfolger auf dem Friedhofe zu Twisteden.

43. Andreas Hormes, geboren zu Lobberich (Sassenfeld, Hormeshof) den 25. Dezember 1825, zum Priester geweiht zu Münster den 27. November 1857, war derselbe seit dem 28. Dezember 1857 Kaplan zu Dinslaken. Um Ostern 1884 wurde er zum 1. Seelsorger und am 17. April 1888 zum Pfarrer in Birten ernannt. Hier sammelte er die Mittel zum Bau einer neuen Pfarrkirche. Seit längerer Zeit erkrankt, brachte er noch am hl. Osterfeste des hl. Meßopfer dar, nicht ahnend, daß es seine letzte Handlung im Gotteshause sein werde. Am folgenden Freitag, den 7. April durch einen Schlaganfall gelähmt, empfing er sofort die hl. Sterbesakramente und entschlief bereits am folgenden Tage, den 8. April 1893, Abends 1/28Uhr.

44. Joh. Heinrich Koenigs, Halbbruder des vorher genannten Pfarrers Koenigs, geboren zu Lobberich, den 3. März 1822, zum Priester geweiht zu Münster den 6. Juni 1846, war zunächst Kaplan in Issum von 1847 bis 1851, und dann Kaplan in Grefrath von 1851 bis zum 29. November 1889, wo er zum Rektor der Schwestern U.L. Frau zu Mühlhausen, Pfarre Oedt, ernannt wurde. Bereits am 20. November 1890 wurde er zum Kaplan in Wachtenonk ernannt. Hier hatte er das seltene Glück, am 6. Juni 1896 sein goldenes Priester-Jubiläum feiern zu können. Nach mehrmonatlichen Leiden, wiederholt mit den hl. Sterbesakramenten versehen, entschlief er zu Wachtendonk, am 20. März 1897. Zum Andenken an den langjährigen Kaplan der Gemeinde stiftete er zu der i.J. 1900 neu erfolgten Ausmalung der Pfarrkirche zu Grefrath einen beträchtlichen Anteil.

45.Mathias Janden, geboren zu Lobberich (Sassenfeld) den 19, Oktober 1849, zum Priester geweiht am 19. Dezember 1874, mußte sodann des sog. Kulturkampfes wegen ausländische Stellen übernehmen und wurde erst am 4. Dezember 1884 als Kaplan in Aldekerk angestellt. Am 23. Dezember 1896 wurde er zum Pfarrer in Eyll bei Camp ernannt, in welche Stelle er Anfangs 1897 eingeführt wurde.

46. Peter Kempkes, geboren zu Rennekoven bei Lobberich am 13. Oktober 1857, zum Priester geweiht den 26. Juli 1891, war seitdem Kaplan in Kevelaer, wo er als solcher jedoch erst am 12. Oktober 1886 angestellt wurde. Seit dem 29. Dezember 1893 ist er 1. Kaplan daselbst.

Seite 183

47. Jakob Rollbrocker, geboren zu Lobberich den 13. April 1862, zum Priester geweiht zu Münster den 15. Juni 1889, wurde bereits am 10. August 1889 zum Kaplan in Goch ernannt. Seit dem 3. Agust 1896 ist er Kaplan zu Dülken.

48. Maximilian Jos. Döhmer, geboren zu Lobberich den 23. Mai 1865, zum priester geweiht in Köln den 15. August 1891, wurde am 13. November 1891 zum ersten Pfarrvikar an der Pfarrkirche zum hl. Remigius in Viersen, ernannt; am 19. November 1895 erfolgte seine Ernennung zum Rektor des Rektorates Bruchhausen, Pfarre Erkrath, Landkreis Düsseldorf und am 12. September 1901 wurde er zum Pfarrer von Mettmann, Dekanat Elberfeld, ernannt.1)

Folgende sechs - obgleich nicht in Lobberich geborene - können eigentlich doch als Söhne dieser Gemeinde betrachtet werden und zwar:

1. Joh. Wilhelm Dammer, geboren zu Hinsbeck, zu Lobberich erzogen, wurde nach erhaltener Priesterweihe am 31. Mai 1787 in das Benefizium vom hl. Sakrament in der Pfarrkirche zu Lobberich eingeführt. Auch er war nahezu 50 Jahre Vikar zu Lobberich und über 50 Jahre Priester. Im 77. Jahr seines Lebens entschlief er zu Lobberich den 28. März 1837 und wurde am 3. April vor dem Missionskreuze auf dem alten Friedhofe zur letzten Ruhe gebettet.

2. Joh.Jos.Orths, im Orden "Pater Mathias" genannt, geboren zu Randerath, Kanton Linnich den 7. Oktober 1766, lebte jedoch seit frühester Jugend in Lobberich, wo sein Vater seit dem 8. Jan. 1768 Lehrer war. Er trat am 7. Oktober 1787 in den Brigittiner-Orden im Kloster zu Kaldenkirchen ein und legte in demselben am 19. Oktober 1788 seine Profeß ab. Im Jahre 1789 zum Priester geweiht, wurde ihm der Name Pater Mathias zugelegt, den er bis an sein Lebensende behielt. Nach Aufhebung des Brgittinerklosters zu Kal -

Anm. 1) Sein Vater ist der Notar a.D.,Justizrath Joh. Wilh. Döhmer,

Ritter des roten Adlerordens IV. Kl. in Lobberich.

denkirchen, i.J. 1802, blieb er als Vikar zu Kaldenkirchen bis zum Jahre 1815, wo die nachbarliche Gemeinde Tegelen ihn als Pfarrer begehrte und er auch als solcher nach dorthin berufen wurde. Daselbst entschlief er infolge eines Schlaganfalles am 7. April 1841. Er war der letztlebende Pater des Kaldenkirchener Klosters.

3. Wilhelm Rath, geboren zu Süchteln am 27. März 1869, zu Lobberich erzogen, wurde am 10. März 1894 zum Priester geweiht und bereits am 20. März 1894 zum Kaplan in Issum ernannt; am 3. August 1900 wurde er Kaplan in Mehr bei Rees.

4. Peter Kühne, geboren zu Köln den 3. Dez. 1872, seit dem Jahre 1894 bei seinem Oheim Kaplan Dr. Rogmann in Lobberich, wurde am 3. April 1897 in Münster zum Priester geweiht, war sodann seit dem 22. April 1897 3. Kaplan und seit dem 25. August 1899 2. Kaplan in St. Tönis; derselbe ist seit dem 18. Juli 1901 1. Kaplan in Grefrath.

5.Joseph Kissels, geboren zu Grefrath am 23. April 1875, seit dem Jahre 1890 in Lobberich domiziliert, wurde zu Münster am 1. Juni 1901 zum Kaplan in Orsoy, Dekanat Xanten, ernannt.

6. P. Leo Klingen, (im Orden: Pater Adalbertus vom kostbaren Blute" genannt) Pater des Passionisten-Ordens, geboren zu Schaag den 6. Mai 1878, wohnte seit seinem 10. Lebensjahre in Lobberich, trat in den Orden der Passionisten zu Kortik in Belgien ein und wurde am 21. Dezember 1901 zu Bruggen, Westflandern zum Priester geweiht. Sein erstes feierliches hl. Meßopfer feierte er am 19. Juni 1902 zu Lobberich. (Bemerkt sei noch, daß außer dem hochw. Herrn Klingen, auch die vorgenannten hochw. Herren Kissels und Kühne ihr Primiz in Lobberich feierten.)


Inhalt

Siebenundzwanzigstes Kapitel: Das Begräbniswesen